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Podcast «Fokus: Strafrecht»

Im Podcast «Fokus: Strafrecht» diskutieren wir mit Expert:innen aus dem Recht und anderen Disziplinen über aktuelle Herausforderungen und ihre Bedeutung für das Schweizerische Strafrecht.

Die 3. Staffel zum Thema Makrokriminalität (unten) präsentieren wir in Kooperation mit der Schweizer Arbeitsgruppe für Kriminologie SAK.

Staffel 2 widmet sich Fragen rund um Klima, Umwelt und Strafrecht.Staffel 1 fokussiert aufs Thema KI, Digitalisierung und Strafrecht.

«Fokus: Strafrecht» bietet alle zwei Wochen spannende Einblicke für Profis und solche, die es werden wollen. Abonnieren Sie uns jetzt auf Ihrer Podcast-Plattform, zb.Spotify, Apple Podcasts oder Youtube, wir freuen uns.

HostsProf. Dr. Nadine Zurkinden, ausserordentliche Professorin an der Universität Zürich und Rechtsanwalt Dr. Claude Eric Bertschinger, Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Produktion: Wilma Rall

Kontakt fokus.strafrecht@ius.uzh.ch

Jenische: Völkermord in der Schweiz?

Zwischen 1926 und 1973 wurden den Schweizer Jenischen ihre Kinder weggenommen. Jenische wurden entmündigt, zwangsinterniert und sterilisiert. Wie konnte ein solches Unrecht in einem demokratischen Rechtsstaat über Jahrzehnte bestehen?
Nadja Capus, Strafrechtsprofessorin an der Universität Neuenburg ordnet die Verfolgung als Makrokriminalität ein. Sie spricht über das Verbrechen gegen die Menschlichkeit und beleuchtet die umstrittene Frage, ob die Verfolgung den Tatbestand des Völkermords erfüllt, im Lichte von Zerstörungsabsicht, systematischen Kindswegnahmen, Rückwirkungsverbot, Verjährung und den Grenzen des Völkerstrafrechts.
Bezüglich der bis heute sehr zögerlichen Aufarbeitung spricht Nadja Capus von «willful ignorance»: Problematisch sei nicht nur das fehlende Wissen. Vielmehr müsse man sich die Frage stellen, wie institutionelle Entscheidungen dazu beitragen, dass bestimmtes Wissen gar nicht erst entsteht.

Menschenhandel: Opferschutz und Strafverfolgung

Opfer von Menschenhandel sind selten eingesperrt. Wer Menschen ausbeutet, übt meist subtil Kontrolle über sie aus, indem er ihre wirtschaftlichen, sozialen oder migrationsrechtlichen Abhängigkeiten ausnutzt.
Fanie Wirth von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ in Zürich kennt die diversen Erscheinungsformen von Menschenhandel in der Schweiz. Sie erklärt, wie wichtig opferzentrierter Betroffenenschutz und das Opferhilfegesetz sind, und auf welche praktischen und juristischen Schwierigkeiten stösst, wer Betroffene unterstützt und in einem allfälligen Strafverfahren begleitet. Sie zeigt auf, wo aktuell Defizite bei der Prävention von Menschenhandel bestehen und welche strukturellen Veränderungen notwendig wären, um den Opferschutz wirksam zu stärken.

Unternehmen in bewaffneten Konflikten

Sophia Zademack

Unternehmen entwickeln militärische KI, steuern Drohnen oder sichern Militärstützpunkte. Mit der zunehmenden Privatisierung moderner Kriegsführung ergeben sich rechtlich diverse, neue Herausforderungen. Wer trägt innerhalb komplexer Unternehmensstrukturen die Verantwortung, wenn Völkerrecht verletzt wird? Sophia Zademack, Juristin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Zürich spricht über die Rolle privater Unternehmen im Krieg, bestehende Haftungsmodelle, die Grenzen des internationalen Strafrechts und mögliche Reformansätze.

Drogenpolitik auf dem Prüfstand

Welche Drogenpolitik ist am vielversprechendsten, um gesundheitliche Schäden und soziale Folgekosten zu minimieren? Und welche Ansätze sind vereinbar mit den UN‑Drogenkonventionen (Einheitskonvention von 1961, Psychotropenkonvention von 1971 und UN‑Übereinkommen gegen den illegalen Drogenhandel von 1988)?
Darüber sprechen wir mit Juristin Vivian Stein, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Universität Zürich. Sie erklärt, wie Gesetze, Politik und Gesellschaft die Drogenpolitik prägen. Zudem skizziert sie die Vor‑ und Nachteile von repressiver Kriminalisierung, Entkriminalisierung und Legalisierung und zeigt, wie sich diese Ansätze auf Gesundheitsschutz und Bekämpfung der organisierten Kriminalität auswirken. Schliesslich beleuchtet sie, inwiefern die UN‑Drogenkonventionen den nationalen Handlungsspielraum einschränken, bzw. Freiräume eröffnen.

Anatomie der Makrokriminalität

Clara Rigoni

Wenn Verbrechen nicht gegen, sondern durch das System begangen werden.  
Zum Auftakt der 3. Staffel widmet sich Claude Eric Bertschinger im Gespräch mit Prof. Nadine Zurkinden und Clara Rigoni dem Konzept der Makrokriminalität: Von dessen Entstehung über die Bedeutung von systemischer Konformität, Kontrolle und Legitimierung, bis zu den strukturellen Bedingungen, die Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen oder organisierte Gewalt ermöglichen. Diskutiert werden auch die Herausforderungen fürs Straf- und Völkerstrafrecht, wenn Verbrechen nicht von EinzeltäterInnen begangen werden, sondern das Ergebnis sind von kollektiven Prozessen. 
Dr. iur. Clara Rigoni ist Maître Assistante an der École des sciences criminelles der Universität Lausanne und gemeinsam mit Nadine Zurkinden im Vorstand der SAK. 

Trailer: Makrokriminalität

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